Dr. Robert Finke Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin
Dr. Robert Finke Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin

Häufige Fragen

Eine Auflistung häufig gestellter Fragen rund um meine Aufstellungsarbeit und der Versuch, eine Antwort darauf zu geben.

 

Da diese Arbeit sich ständig im Prozess befindet, sind die Antworten Resultat meiner eigenen Erfahrung und der Literatur, die mir persönlich dazu bekannt ist. Die Liste wird immer wieder überarbeitet bzw. erweitert.

 

Autoren und Psychotherapeuten, deren Bücher ich empfehle, sind u.a.:

- Prof. Franz Ruppert

- Prof. Gottfried Fischer

- Dr. Peter Levine

- Dr. Arthur Janov

 

 

Frage (F): Was genau sind eigentlich Aufstellungen?

 

Antwort (A): Eine Aufstellung ist eine Methode, Struktur und Mechanismen eines Systems sichtbar zu machen und auch aufzulösen.

Der Begriff „System“ ist dabei sehr weit gefasst. Das kann die Psyche eines Klienten mit ihren verschiedenen inneren Anteilen sein, die sich aus familiären Prägungen und individuellen Erfahrungen herausgebildet hat. Das kann ein ganzes Familiensystem sein, vom Klienten selbst, seinen Eltern, Geschwistern und Verwandten bis hin zu mehreren Generationen vor ihm. Das können Partnerschaften sein, aber auch Firmen oder Häuser und die Menschen, die darin wohnen.

 

Alle diese Systeme bestehen aus einzelnen Teilen, die miteinander in Bezug sind. Meine Erfahrung ist, dass sie auf eine dem Verstand schwer zugängliche Art und Weise miteinander interagieren. Sie handeln nicht nach rationalen Richtlinien. Gerade die Kommunikation zwischen Mitgliedern einer Familie läuft nach ganz eigenen, zumeist vollkommen unbewussten Mechanismen ab. Krankheiten, psychische Blockaden und dergleichen sind häufig Symptome, die sich im Menschen bilden, weil er unbewusst in diese Mechanismen verstrickt ist. Aufstellungen machen Unsichtbares sichtbar, Unbewusstes bewusst. Das eröffnet die Chance, sich aus unguten Mechanismen zu lösen.

 

F: Wie laufen Deine Aufstellungen ab? In den „herkömmlichen“ Familienaufstellungen werden ja Personen als Stellvertreter für die Aspekte des Anliegens des Klienten genommen – also für Familienmitglieder oder Krankheitssymptome etc.

 

A: Ich arbeite – anders als bei den „herkömmlichen“ Aufstellungen - zu zweit mit meinen Klienten und benutze als „Stellvertreter“ farbige Matten, die vom Klienten selbst bzw. in telefonischen Sitzungen von mir für den Klienten stellvertretend ausgelegt werden.

Gegenüber Aufstellungen, in denen andere Personen anwesend sind und als Stellvertreter ausgewählt werden, hat das den Vorteil, dass die gesamte Situation persönlicher und „intimer“ ist. Wer schon einmal eine Aufstellung vor 50 fremden Personen gemacht hat und dort vor allen Anwesenden sein Innerstes bloßlegen sollte, weiß, wovon ich rede.

 

Zunächst gibt es immer ein Vorgespräch, um das Anliegen der Aufstellung möglichst genau zu benennen - möglichst in einem Satz. Anschließend werden die Worte des Satzes im Raum platziert.

Dazu nimmt der Klient mich als Stellvertreter und geht damit mit den Anteilen seiner eigenen Psyche in Kontakt. Oder er (bzw. ich in Telefonaufstellungen) wählt für jeden Aspekt eine Matte und legt diese im Raum aus. 

Ich „klinke“ mich in das System ein und beginne es zu erfassen.

 

F: Warum ist es wichtig, das Anliegen so genau wie möglich zu benennen?

 

A: Das Anliegen ist sehr wichtig. Es repräsentiert gleichzeitig das Unbewusste des Klienten und ist viel näher an „der Wahrheit“ der Thematik als der rationale Verstand.

Das Anliegen wird als Satz formuliert und aufgeschrieben. Solche Sätze beinhalten immer auch unbewusste Botschaften, die von mir wahrgenommen und sichtbar gemacht werden können.

Beispielsweise kann das Anliegen formuliert werden:

„Ich möchte endlich eine glückliche Beziehung.“

Stelle ich mich auf die Worte dieses Anliegens, können aber viel tiefer liegende Motive auftauchen.

So z.B. die tiefe Verstrickung eines Mannes mit seiner Mutter, die ihn als Ersatzpartner benutzte, weswegen er für eine wirkliche Partnerin gar nicht innerlich frei ist.

 

Das heißt, es existiert sehr oft hinter dem formulierten Anliegen eine Meta-Botschaft, die die eigentliche Wahrheit aufdeckt. Das ermöglicht natürlich erst ein echtes Erkennen der Situation. Damit kann der Klient dann wirklich arbeiten und sich aus Verstrickungen befreien.

 

Es hat sich gezeigt, dass die Worte symbolisch für etwas stehen können, beispielsweise Personen oder innere Anteile des Klienten. Sie auszulegen, kann erheblich zur Klärung beitragen.

 

Ist das Anliegen hingegen schwammig, etwa: „Ich möchte einfach mal schauen, was bei mir so los ist.“, wird die Aufstellung ebenso schwammig. Natürlich ist es oft nicht leicht, sofort ein klares Anliegen parat zu haben. Aber dazu gibt es ja das Vorgespräch, welches dabei hilft.

 

F: Wie geschieht das „Einklinken“ in das System? Wie verläuft die Aufstellung dann weiter?

 

A: Warum man als Stellvertreter oder Aufstellender so verblüffend genau Personen wiedergeben kann, die einem völlig unbekannt und auch gar nicht anwesend sind, ist ein großes Rätsel, für das es bislang keine wissenschaftliche Erklärung gibt.  Letztlich wissen wir nur, dass es funktioniert.

 

Ich vergleiche das „Einklinken“ mit dem Betreten eines großen, vollkommen verdunkelten Hauses mit vielen Stockwerken und Zimmern. Ich habe nur eine Taschenlampe dabei. Wenn ich mich auf einzelne Matten stelle, ist es, als würde man sich nach und nach ein Gesamtbild einzelner Zimmer und Stockwerke machen. Ich „sehe“ häufig das System als eine Art Skulptur und erhalte nach und nach das Gesamtbild. Das hat nichts mit dem rationalen Verstand zu tun.

 

Wesentlich für die Aufstellungsarbeit ist das Aufspüren und Erfühlen abgespaltener Anteile des Klienten und der Verstrickungen, in denen er sich befindet. Das ermöglicht nach und nach eine Bewusstwerdung und Entstrickung. Ich gebe seinen inneren, zumeist unbewussten Anteilen eine Stimme. Allein das kann sich bereits als außerordentlich befreiend erweisen.

In einem therapeutischen Prozess ist es sehr wichtig, wirklich zu fühlen und sich darüber klar zu werden, worin man steckt. Das kann ich für den Klienten natürlich nicht übernehmen. Aber durch das Spiegeln seiner wirklichen Situation beginnt es in seinem Unterbewussten zu arbeiten

 

F: Was ist mit abgespaltenen Anteilen gemeint?

 

A: Viele Blockaden oder destruktive Beziehungsmuster, aufgrund derer Menschen zu Aufstellungen oder zur Psychotherapie gehen, haben ihren Ursprung in der frühen Kindheit, oft bereits vorgeburtlich im Mutterleib.

Ein Beispiel: Ist die Mutter bereits während der Schwangerschaft ambivalent oder gar ablehnend ihrem Kind gegenüber eingestellt (was weit häufiger vorkommt als gedacht), etwa weil die Schwangerschaft nicht gewollt war, bekommt das Kind diese Ablehnung sehr wohl mit. Da es in diesem frühen Stadium vollkommen von der Mutter abhängig ist, stellt diese Ablehnung für es eine existenzielle Bedrohung da.

Das ist bereits ein Trauma. Ein solches Bedrohtheitsgefühl muss vom Bewusstsein abgespalten werden, da es unerträglich ist. Doch diese Anteile sind nur abgespalten, nicht verschwunden. Sie versuchen, über körperliche Symptome oder Verhaltensmuster, die sich einer rationalen Kontrolle entziehen, wieder ins Bewusstsein zu drängen.

 

Neben abgespaltenen Anteilen existieren, besonders wenn es um traumatische Erfahrungen geht, auch sogenannte Überlebensanteile in der Psyche eines Menschen. Sie haben die zunächst lebensnotwendige Funktion, die Spaltung aufrecht zu erhalten und die Realität zu verleugnen. Beispielsweise auch die, dass die eigene Mutter uns möglicherweise nicht wollte.

 

Überlebensanteile äußern sich in einer Vielzahl von Strategien: Das Vermeiden von engen Beziehungen, von sich selbst ablenken durch ein Übermaß von Sport, Arbeit, Süchte etc. Solche Überlebensanteile können sich hinter dem aufgestellten Anliegen und/oder weiteren ausgelegten Aspekten verbergen und werden sichtbar.

 

F: Trauma lässt sich also nicht nur auf einzelne heftige Ereignisse reduzieren, wie beispielsweise Verlust- oder Gewalterfahrungen, die wir irgendwann erlebt haben?

 

A: Es existieren mehrere Arten von Traumata. Es gibt Existenztraumata, die durch lebensbedrohliche Situationen, wie etwa Kriegsereignisse, hervorgerufen werden. Verlusttraumata können durch den Verlust einer engen Bezugsperson entstehen.

So schwerwiegend diese sein mögen, sie lassen sich zumindest konkretisieren. Das ist jedoch bei Symbiose- und Bindungstraumata kaum möglich. Häufiges Beispiel sind hier Eltern, die bereits selbst traumatisiert sind und deshalb keine sichere und eindeutige Bindung zu ihrem Kind eingehen können. Das löst in der Psyche eines Kindes große Verunsicherung aus.

Kinder idealisieren ihre Eltern, weil sie zunächst einmal vollkommen von ihnen abhängig sind. Kann ein Elternteil sein Kind jedoch nicht lieben, sucht das Kind unbewusst die Schuld dafür bei sich selbst. Das ist auch bei Missbrauchsopfern der Fall. Die meisten Klienten, die zu einer Aufstellung kommen, sind sich über solche frühen Prägungen gar nicht mehr bewusst.

 

F: Kann eine Aufstellung „Heilung“ bewirken? Viele Aufsteller arbeiten mit heilenden Ritualen, Lösungssätzen oder stellen die Stellvertreter so, dass ein „gutes Schlussbild“ entsteht.

 

A: Ich selbst arbeite nicht mit Ritualen und Lösungssätzen. Leider ist es nicht einfach so, als ginge man zum Chirurgen, der eine bösartige Geschwulst wegschneidet. Es ist meine Erfahrung, dass die Themen, mit denen Klienten zu einer Aufstellung kommen, also alle Arten von Beziehungsproblemen, Blockaden, Krankheiten etc., sehr oft mit Verstrickungen innerhalb des Familiensystems und mit sehr frühen Prägungen in Verbindung stehen.

Wir übernehmen unbewusst traumatisierte abgespaltene innerpsychische Anteile eines Elternteils.

Wir agieren über Krankheitssymptome oder destruktive Muster ungelöste Anteile des Familiensystems aus.

Wir kommen nicht in unsere Kraft, weil es in uns noch immer den unerfüllten kindlichen Wunsch nach Anerkennung von „Mama“ oder „Papa“ gibt, oder weil wir jemanden „retten“ wollen.

 

Dazu kommen Überlebensanteile, die traumatische Gefühle um jeden Preis tief verschlossen halten wollen. Der erste und vielleicht wichtigste Schritt ist, wirklich wahrzunehmen, worin wir da stecken und was wir oft völlig blind ausagieren. Wie stark frühkindliche Erfahrungen uns prägen. Das ist schwierig, eben weil wir oft so tief in Verstrickungen stecken und/oder die Wahrheit über unterschwellige Beziehungsmuster innerhalb des Familiensystems nicht hören wollen.

 

Genau das kann eine Aufstellung sichtbar machen. Sie zeigt dem Klienten, wo er steht, und darüber hinaus, welche nächsten Schritte er unternehmen kann.

 

Allein dass einem innere Anteile gespiegelt werden, dass ihnen eine Stimme gegeben wird, macht etwas mit dem Unterbewussten. Es beginnt etwas zu arbeiten.

Das kann sich beispielsweise durch eine kurzzeitige Verstärkung körperlicher Symptome äußern.

 

Aufstellungen sind besonders effektiv, da diese über die Kraft der aufgezeigten Bilder und Emotionen direkt ins Unbewusste des Klienten reichen. Die Entscheidung, aus ungesunden Verstrickungen und Mustern wirklich auszusteigen, kann kein Therapeut dem Klienten abnehmen. Die Auseinandersetzung mit der inneren Wahrheit – so schmerzlich oder unangenehm diese zunächst auch sein mag- ist der Schlüssel zur Heilung.

 

Rituale und Lösungsbilder, wie sie vor allem in den von Bert Hellinger beeinflussten Familienaufstellungen praktiziert wurden und werden, sehe ich kritisch. Zum Einen wird dort ein sehr archaisches Familienbild „propagiert“. Kinder haben sich vor ihren Eltern (Großeltern,…) zu verneigen, selbst wenn sie Opfer vielgestaltigen Missbrauchs sind.

Gerade Opfer von Missbrauch suchen unbewusst oft die Schuld dafür bei sich selbst, um die Illusion der liebenden Eltern (Großeltern,…) aufrecht zu erhalten. Das kann zu selbstzerstörerischen Mustern führen, die weit ins Erwachsenenalter reichen. Rituale wie das Kleinmachen und Verneigen vor dem Täter kann da verheerende Einflüsse auf die Psyche haben und geradezu wie eine Bestätigung des eigenen „Schlechtseins“ wirken.

 

Zum Anderen können Lösungsrituale den Überlebensanteilen in uns das trügerische Bild vermitteln, nun sei alles gut und man müsse sich nicht weiter mit den eigentlichen Ursachen des Unwohlseins auseinandersetzen. Das ist ja gerade auch die Funktion von Überlebensanteilen, die sich dadurch noch bestärkt sehen.

Ich selbst habe in vielen Aufstellungen, schamanischen Sitzungen, Heilritualen etc., in denen ich selbst Klient war, durch Rituale eine kurzzeitige Erleichterung meiner Probleme gespürt, bevor dann schnell alles wieder beim Alten war.

 

Ich sage aber damit keinesfalls, dass das aufgestellte System nicht reagiert. Ich begreife Familiensysteme (aber auch alle anderen Arten von Systemen, wie Firmen etc.) als emergente „Organismen“. Emergent bedeutet, dass das System als Ganzes Eigenschaften aufweisen kann, die sich nicht auf die Summe der Teile reduzieren lassen. Das ist fast wie ein eigenes Bewusstsein.

Durch Erfahrungen und Muster, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, können sich in Familien regelrechte Leitmotive ausprägen, die über verbale wie nonverbale Kommunikationsmuster in uns als Kinder eindringen und unsere Wahrnehmung färben.

Das können Lebensängste sein, Krankheiten, Gewalterfahrungen oder Täter-Opfer-Dynamiken, die sich in jeder Generation aufs Neue wiederholen.

Bleiben wir dem gegenüber unbewusst, sind wir schon ein wenig wie Marionetten des Systems. Deswegen ist es so wichtig, sich darüber bewusst zu werden.

 

Es ist ganz erstaunlich, wie sensibel solche Systeme auf Aufstellungen reagieren können. Ich habe immer wieder in eigenen wie auch in den Aufstellungen anderer Therapeuten und Aufsteller erlebt, dass beispielsweise Familienmitglieder des Klienten, die durch Stellvertreter repräsentiert wurden, nach Jahren totaler Funkstille plötzlich am Tag nach der Aufstellung anriefen, obwohl sie nichts davon wussten und teilweise im Ausland lebten.

Oder wie ein Symptom, dass ein Kind für einen Elternteil (der Klient) trägt, plötzlich vom Kind auf den Klienten zurückspringt – weil es sichtbar gemacht wurde und einen abgespaltenen Anteil des Klienten selbst darstellt.

 

F: Wenn Lösungsrituale trügerisch sein können - heißt das auch, dass eine einzelne Aufstellung allein nicht ausreicht?

 

A: Das kommt natürlich auf die Art des Anliegens an.

Geht es um eine Entscheidungsfindung, z.B.:“sollte ich mich für Firma X oder Firma Y entscheiden?“, dann kann eine einzelne Aufstellung bereits sehr viel Klarheit bringen.

Geht es um ein psychotherapeutisches Thema, z.B.: „ich möchte mich endlich von meinen Blockaden befreien!“, dann ist Aufstellungsarbeit in der Regel Prozessarbeit.

Ich kann den Klienten zeigen, wo sie stehen, kann ihnen unbewusste Anteile und Verstrickungen sichtbar machen. Aber ich kann und darf das Tempo dabei nicht vorgeben. Das kann nur der Klient allein. Lieber einzelne Schritte, an denen der Klient sich orientieren kann, und die ihm eine Basis geben, Schritt für Schritt notwendige Veränderungen einzuleiten.

 

F: Wieviel Zeit sollte zwischen zwei Sitzungen vergehen?

 

A: Auch hier gibt es keine feste Regel.

Es hat sich aber bewährt, wenn zwischen zwei Aufstellungen etwa zwei Wochen, mindestens jedoch eine, vergehen.

 

F: Du bietest einen Audiomitschnitt der Aufstellung an. Warum?

 

A: Erfahrungsgemäß ist es so: Wenn ich mich in den Klienten bzw. das System „eingeklinkt“ habe, kommt sehr viel Information. Ich kann deren Intensität und Verlauf nur bedingt steuern. Das heißt, ich rede dann auch recht viel, mache Zusammenhänge klar, drücke Emotionen aus.

Die wahren Muster, die in Familiensystemen oder in der Psyche eines Menschen im Hintergrund wirken, sind oft völlig anders geartet als unser rationaler Verstand. Sie sind häufig recht komplex, ja widersprechen auf den ersten Blick dem „gesunden Menschenverstand“. Das kann, besonders am Anfang, schwierig sein, dem allen zu folgen.

 

80 Prozent der Klienten haben die Aufstellungen mitschneiden lassen und das Feedback war eindeutig: Es war für sie äußerst hilfreich, sich die Sitzung nach einer gewissen Zeit noch einmal bzw. sogar mehrfach anzuhören, da vieles erst dann wirklich klar wurde.

 

F: Viele Klienten fühlen sich anfangs etwas unwohl, wenn ein Fremder in ihrem Unbewussten „herumstochert“. Besteht die Gefahr, dass sie überfordert werden, besonders wenn es sich um verdrängte Missbrauchserlebnisse o.ä. handelt?

 

A: Natürlich ist es nicht immer angenehm, mit Dingen konfrontiert zu werden, die man nicht gerne hört. Zum Beispiel, wenn es darum geht zu erkennen, in welchen Verstrickungen man sich befindet.

Es kann aber nicht passieren, dass der Klient völlig überwältigt und überfordert wird.

Ich selbst als Aufsteller kann nur so viel wahrnehmen, wie die Psyche des Klienten bereit ist preiszugeben. Ist der Zeitpunkt noch nicht reif, um an ein Trauma heranzukommen, dann sind die Schutzmechanismen in der Psyche des Klienten so stark, dass ich selbst keine klaren Bilder bekomme.

 

Auch hier gilt: der Klient gibt das Tempo vor. Das kann man häufig in Aufstellungen merken, in denen Klienten vom Verstand her wirklich bereit sind, sich ein bestimmtes Thema anzuschauen. Stehe ich dann aber in der Aufstellung, werden die Wahrnehmungen immer konfuser oder widersprechen sich. Ich stecke förmlich in einem zähen Nebel. An solchen Punkten ist es für den Klienten wichtig, das zunächst mal zu akzeptieren, eine stabile innere Ressource aufzubauen und Geduld zu haben.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© www.robertfinke.com Datenschutz