Dr. Robert Finke Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin
Dr. Robert Finke Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin

Trauma und Spaltung

Ein Psychotrauma ist zunächst ein Ereignis, dass ein Mensch mit seinen psychischen Kapazitäten nicht bewältigen kann.  Normalerweise hilfreiche Stressreaktionen zur Abwehrung einer Bedrohung müssen gestoppt werden, um einen Angreifer nicht weiter zu provozieren. Eine Notlösung in dieser Situation ist die Aufgabe der Einheit von Körper und Psyche. Sie wird gespalten und zerfällt in Fragmente.

 

In der gespaltenen menschlichen Psyche lassen sich drei verschiedene Arten von Anteilen erkennen.

 

  • Trotz der Traumatisierung gibt es weiterhin einen Bereich gesunder Körperreaktionen und gesunder psychischer Strukturen. Diese sind nach wie vor an der Realität interessiert, können Gefühle, dem Anlass entsprechend, zum Ausdruck bringen und sind in der Lage, zwischenmenschliche Bindungen in gesunder Weise einzugehen oder sich daraus zu lösen, wenn destruktive Beziehungsmuster überhandnehmen. Diese gesunden Anteile sind daran interessiert, aus der eigenen Spaltung wieder herauszufinden.

 

  • Die zweite Art psychischer Strukturen bilden die traumatisierten Anteile. Auf der körperlichen Ebene sind das die unterschiedlichen Formen nicht aushaltbarer Schmerzen, die außer Kontrolle geratenen Regelkreise der Atmung, Verdauung und Bewegung, das Erstarren der Muskulatur und das Einfrieren des Körpers. Auf der emotionalen Ebene sind es Todes- und Verlassenheitsängste, unkontrollierbare Wut, Verlust- und Verlassenheitsschmerz, die in der traumatisierenden Situation entstanden sind. Auch Ekel-, Scham- und Schuldgefühle sind hier zu finden.

Traumatisierte Anteile sind eingefroren in der Zeit, in der sie entstanden sind. Sie empfinden und handeln noch immer wie in der ursprünglichen Traumasituation und bleiben auf dieser Entwicklungsstufe stehen. Auslösereize können Bilder, Gefühle und Gedanken aus dieser Situation leicht entflammen lassen.

 

  • Die dritte Art bezeichnet die Trauma-Überlebensstrukturen. Dies sind Anteile, die in einer Traumasituation das Schlimmste verhindern, indem sie die Spaltung bewerkstelligen und traumatisierte Anteile in ihrem Ausdruck behindern und aus dem Bewusstsein verbannen. Das kann ein Prozess sein, der sich über das gesamte weitere Leben erstreckt. Überlebensstrukturen entwickeln dazu verschiedene Grundhaltungen. Dazu gehören das Leugnen des Traumas („Es war und ist doch alles nicht so schlimm.“), Kontrolle von sich selbst und anderen Menschen und Situationen oder Betäubung durch Alkohol oder Drogen, durch ablenkende Tätigkeiten wie Sport oder Arbeit.

 

Überlebensstrukturen ersetzen das gesunde Ich durch ein Ersatz-Ich, das

am Ende sogar meint, das eigentliche Ich zu sein. Diese Ersatz-Ichs können alle Arten von Rollenidentifikationen beinhalten.

 

Deutliche Zeichen von Trauma-Überlebensstrategien sind:

Aushalten, was unaushaltbar ist,

Ausblenden, was angesehen werden müsste,

zwanghaftes Reden und sich ablenken,

zwanghaft anderen helfen müssen,

zwanghaft gegen etwas ankämpfen müssen,

sich unterordnen oder am liebsten ganz verschwinden wollen.

 

Mit Überlebensstrategien lässt sich nicht vernünftig diskutieren. Sie können sich selbst nicht hinterfragen.

 

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